Stammtisch-Geschichten
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„Vergiss sie nicht!“ Freunde sind das halbe Leben.

Wer viel arbeitet, vergisst leicht darauf, seine Freundschaften zu pflegen. Dabei ist mittlerweile sogar wissenschaftlich belegt, dass gute soziale Beziehungen die Gesundheit fördern und unser Leben verlängern. Also ran an die „Freundschaftspflege“ – 4 Tipps, wie es im Alltag leichter gelingt, genug Zeit für deine Liebsten zu finden.

Leben im „Dorf“

„Wir brauchen alle ein soziales Dorf, das uns innerlich stützt“, sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger und Autor des Buches „Freundschaft. Beginnen – verbessern – gestalten“. Krüger weiß, dass Freundschaften heute wichtiger sind als je zuvor. Denn: Familiäre Bindungen sind längst nicht mehr so stabil wie früher und durch die berufliche Mobilität häufig auch nur noch eingeschränkt vorhanden. „Freundschaften sind das soziale Modell der Zukunft“, sagt Krüger und fügt hinzu: „Sie sind verbindlich, lassen uns aber doch genügend Freiraum.“ Im Gegensatz zur Familie gäbe es weniger innere Abhängigkeiten und Verpflichtungen – und dennoch: Auch Freundschaften müssen gepflegt werden, damit sie da sind, wenn man sie wirklich braucht. Übrigens nicht nur um Sorgen zu teilen, sondern auch um gemeinsam Spaß zu haben. Ich habe beschlossen, Wolfgang Krüger beim Wort zu nehmen und mehr Zeit mit meinen Freunden zu verbringen; dabei bin ich auf vier hilfreiche Strategien gestoßen. Probier‘ sie doch auch aus!

 

Platz 1 für die Freundschaft

Bist du auch so ein Mensch, der immer erst die Arbeit perfekt erledigt, bevor du dir irgendetwas gönnst, egal ob Sport oder Freunde treffen? Seine Arbeit gewissenhaft zu erledigen ist nie ein Fehler, die Arbeit über alles andere zu stellen, jedoch bestimmt. Höchste Zeit umzudenken! Nimm dir also einen Zettel zur Hand und schreib dir auf, wofür du deine Zeit verwendest. Bei mir steht da z.B. meine Arbeit, mein Sohn, mein Partner, meine Wohnung, mein Körper, meine Freunde. Stell doch einfach mal die Reihenfolge um. Wie wäre es, wenn du den Tag nicht damit beginnst, dir zu überlegen, was du heute arbeiten wirst (das kommt sowieso), sondern mit welchem Freund oder welcher Freundin du heute sprechen möchtest – egal ob am Telefon oder persönlich. Manchmal muss es keine große Sache sein, die man gemeinsam unternimmt; wann hast du eigentlich zum letzten Mal zu einem Freund spontan gesagt: „Gehen wir wieder mal auf ein Bier heute Abend?“

Such‘ dort, wo du auf Resonanz stößt

Du weißt also jetzt, dass die wichtigen Beziehungen in deinem Leben irgendwie zu kurz kommen, und hast den Entschluss gefasst, das zu ändern? Nun fragst du dich, woher du die Zeit für all die Treffen nehmen sollst? Das ist der Moment, um einen Schritt zurück zu machen. Musst du jeden treffen, mit dem du befreundet bist? Hab‘ den Mut wählerisch zu sein und nimm dir daher zuerst bewusst Zeit um nachzuforschen, wen du überhaupt als Freund in deinem Leben haben möchtest. Du weißt nicht, wie du das entscheiden sollst? In dem Fall hör‘ einfach auf deinen Bauch und mach‘ dir klar, wer dir wirklich gut tut. Der deutsche Soziologe Hartmut Rosa schreibt, dass Menschen dann Glück verspüren, wenn sie resonante Beziehungserfahrungen machen. Und Resonanz – das spürt man. Erinnerst du dich noch an das letzte Mal, als du einem guten Freund von einem tollen Abendessen, deiner neuen Eroberung oder einem besonderen Urlaub erzählt hast und ihr darüber ins Schwärmen gekommen seid? Nun, vermutlich hast du genau dann gespürt, was Resonanz bedeutet. Der andere hört zu, berichtet dir vielleicht von seinen Gefühlen oder erzählt dir ähnliche Situationen. Egal worüber ihr sprecht, eines ist klar: Zwischen euch beginnt es zu schwingen. Ein resonantes Gespräch wird aus deinem Alltag herausstechen und jeden Small talk in den Schatten stellen. Trau‘ dich, und mach‘ dich auf die Suche nach Freunden mit Resonanzpotential.

Freunde sollten sich regelmäßig treffen

 

Fixtermin für die Freundschaft

Warum gehen wir in Sportvereine oder besuchen regelmäßig einen Yoga-Kurs … natürlich, weil uns Fitness gut tut; aber müsste das jede Woche zur selben Zeit sein? Ja, denn nur wenn wir nicht ständig alles neu planen müssen in unserem Leben, lässt sich der Alltag gut bewältigen. Warum also nicht auch Freundschaften als Fixtermine sehen und genauso organisieren? Anstatt immer alles neu zu planen, sieh dich doch einfach einmal in deiner Wohnumgebung um – bestimmt findest du irgendein nettes Lokal, das dein Stammbeisl werden kann. Nicht umsonst gibt es die Tradition der Stammtische. Gründe deinen eigenen Stammtisch und lade alle, die du gerne siehst, einmal im Monat auf ein Bier dorthin ein. Du glaubst, das ist eine altmodische Sache und interessiert niemanden? Dann versuch’s doch mal mit einer etwas ausgefallenen Einladung: Schick ihnen einen Stiegl-Bierdeckl mit Ort und Datum der Veranstaltung – ganz einfach per Mail! Du wirst sehen, das macht neugierig. Einfach hingehen, Bier anzapfen und losplaudern.

Zweisamkeit zwischen Freunden bei einem Bier

Freunde sollen sich gegenseitig feiern

Kaum jemand, der in einer Beziehung ist, vergisst, seinem oder seiner Liebsten am Valentinstag Blumen zu schenken. Aber warum sollte es eigentlich nur einen Tag im Jahr für Verliebte und nicht auch für Freunde geben? Freunde sind ein so wichtiger Teil des Lebens, dass sie mindestens einmal im Jahr gefeiert werden sollten. Nimm‘ dir doch deinen Geburtstag zum Anlass und mache ein rauschendes Fest daraus. Der Therapeut Wolfgang Krüger beschreibt zum Beispiel in seinem Buch zum Thema Freundschaft, wie er jedes Jahr rund 70 Personen zu sich nachhause einlädt. Zu Beginn wird dann gemeinsam gesungen, und neue Leute werden vorgestellt.  Nutze die Gelegenheit und zeig‘ dass du ein guter Gastgeber bist, bring Menschen zusammen, von denen du denkst, dass auch sie gute Freunde werden könnten oder einfach nur ähnliche Interessen haben. Um dir Zeit zu sparen, lass‘ jedem einen Beitrag leisten. Der eine bringt den Salat, der andere die Getränke, der dritte den Kuchen oder das Eis. Du wirst sehen, die gemeinsam gestaltete Party macht gleich nochmals so viel Spaß. 

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