Stammtisch-Geschichten
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Darf man ein Bier alleine trinken?

Sich selbst zuprosten oder ist doch eher „Hopfen und Malz verloren“?

Spät abends in einer modernen Wohnanlage in Chicago. Es klimpert. Ein Schlüsselbund. Die Wohnungstür öffnet sich, das Licht geht an. Es ist Julianna Margulies als erfolgreiche Anwältin, fürsorgliche Mutter und liebende Ehefrau Alicia Florrick in der Dramaserie „The Good Wife“. Sie lässt Akten- und Handtasche zu Boden fallen, steuert direkt in Richtung Küche und holt sich ein Weinglas aus dem Küchenschrank. Es folgt der Griff nach der Weinflasche. Bevor sie sich nach diesem übermäßig anstrengenden Tag etwas anderem widmen kann, trinkt sie ein ganzes Glas aus. Alicia Florrick ist in bester Gesellschaft. Sean Connery trank als James Bond unter anderem alleine siamesischen Wodka. Ebenfalls alleine trank David Duchovny als Hank Moody in „Californication“ wahlweise seinen Whiskey oder sein Bier. Die Liste an Charakteren aus Film und Fernsehen, die sich in aller Ruhe und Abwesenheit von unmittelbarer Gesellschaft einen Schluck Alkohol oder zwei gönnen, lässt sich lange fortsetzen. Die Geschichte, die uns dadurch vermittelt wird: Es soll der Schmerz gelindert, der Moment bewusst genossen, die Kreativität angeregt, der harte Tag bei der Arbeit vergessen oder, noch viel besser, der erfolgreiche Tag bei der Arbeit gewürdigt werden. Was ist denn bitteschön großartig dagegen einzuwenden, sich alleine ein Feierabendbier zu gönnen? 

Es ist nicht das, wonach es aussieht

Zugegeben, der Vergleich hinkt ein wenig, weil es sich in Film und Fernsehen bei Wodka um Wasser, bei Rotwein um roten Traubensaft, bei Whiskey um Eistee und bei Bier um die alkoholfreie Variante handelt. Viel wichtiger aber: weil der Darsteller in Wirklichkeit nie alleine trinkt. Das Publikum ist mittelbar als Betrachter zugegen. Die Momente, in denen in Film und Fernsehen „Alkohol“ getrunken wird, sind eine Art Stilmittel, um dem Zuschauer den Charakter und die Situation, in der sich der Darsteller befindet, zu vermitteln. Nichtsdestotrotz könnte es dennoch sehr viele gute Gründe geben, um im privaten Rahmen mit sich selbst anzustoßen. Aber Vorsicht, wie überall im Leben geht es um Qualität, nicht Quantität.

Die Stille
Der beste Wingman war schon immer die Stille. Und nach einem stressigen Tag wünscht man sich manchmal nichts sehnlicher, als einfach seine Ruhe zu haben.

Kein Dresscode
Vor Lokalen hängen häufig Schilder mit einer sinngemäßen Abwandlung folgender Aussage: „No shoes. No shirt. No service.“ Wenn man Zuhause alleine ein Bier trinkt, kann man dem getrost entgegnen: „No, thank you.“ Vielleicht führt man ja auch gleich eine „No-Pants-Policy“ ein.

Die Selbstreflektion
Ein ehrlicher Moment der Begegnung mit sich selbst. Dieser schafft sehr viel Raum, um die mittlerweile übermäßig hohe Dichte an Ereignissen pro Lebenssekunde zu verarbeiten. Die vier Facebook-Events, für die ich mich vor drei Wochen interessiert habe? „No, thank you!

Dein Kühlschrank, dein Königreich
In deinen und aus deinem Kühlschrank kommt nur, was du willst. Und obendrein definitiv ohne Wartezeit. 

Aber erst „am Du wird der Mensch zum Ich

So viele Vorteile es auch geben mag, der Mensch wird erst am Du zum Ich, wie es Dr. Martin Buber, Religionsphilosoph, treffend formulierte. Ein Feierabendbier alleine zu trinken, kann gut sein, aber es fehlt die wichtigste Zutat zu mehr Lebensqualität: die Gesellschaft und das damit verbundene gemeinsame Teilen von Erlebnissen, Erfahrungen und Situationen. Dafür sollte man sich Zeit nehmen, wie eine Studie von Robin Dunbar, einem führenden Psychologen und Professor der Universität von Oxford, belegt. Den Studienergebnissen zufolge verbessert ein Treffen mit Freunden die Gesundheit. Das hat vor allem mit der damit verbundenen Steigerung des Glücksempfindens zu tun. Das Stresslevel fällt und das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Dies wirkt sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit aus.

Die Kraft der Freundschaft

Es spielt keine Rolle, was man im Freundeskreis unternimmt. Wichtig ist, dass man es tut. Am besten zweimal wöchentlich, wie die Studienergebnisse von Robin Dunbar aussagen. Das kann die gemeinsame aktive sportliche Betätigung sein, ein gemeinsamer Besuch im Kino oder das Frönen passiver sportlicher Betätigung wie beispielsweise gemeinsam in einem Beisl Fußball schauen. Idealerweise in einer Gruppe von bis zu fünf Personen, denn in dieser Größenordnung ergeben sich die meisten spontanen Gelächter – und das ist bekanntlich zusätzlich gut für die Gesundheit. Die Mayo Clinic, eine amerikanische Non-Profit-Organisation und Betreiberin von zahlreichen Kliniken und von Gesundheitsforschung, zählt weitere positive Effekte der Pflege von Freundschaften auf:

Sie beugen Vereinsamung und geistiger Verarmung vor,
schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl,
steigern das Glücksempfinden und reduzieren negative Stressgefühle,
steigern das Selbstbewusstsein und den Selbstwert,
helfen Menschen, über schwierige Situationen in ihrem Leben hinwegzukommen und,
motivieren Menschen, ungesunde Lebensgewohnheiten zu reduzieren wie beispielsweise Bewegungsmangel und übermäßigen Alkoholkonsum

Gemma mal wieder auf a Bier?

Das beste Rezept in einer Welt, die sich immer schneller dreht und den Menschen von Tag zu Tag mehr abverlangt, ist das Festhalten und regelmäßige Pflegen von Beziehungen. Gerade für erwachsene Menschen stellt es mit zunehmendem Alter eine Herausforderung dar, neue Freundschaften zu schließen und bestehende Freundschaften zu pflegen. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, sagt Dr. Martin Buber dazu, und meint damit den Augenblick, in dem sich die Seelen der Menschen treffen. Das besondere Gefühl der Einzigartigkeit durch Nähe, die mit Worten alleine nicht zu beschreiben ist. 

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